„Aufstieg? Hä? Haste etwa schon vajessen …?“

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„Aufstieg? Hä? Haste etwa schon vajessen …?“
Nussis Gedanken zu einem in unserer Familie heiß diskutierten Thema

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In der 3. Halbzeit des 1860-Spiels, also am Tisch der UNION-REBELLEN im Coé, haute mich ein Aktivist von DIE EISERNEN an: „Schreib doch mal watt zum Thema Uffstieg uff.“
„Spinnst du?“, hätte ich ihn angebrüllt, wäre ich noch nüchtern gewesen, statt „volltrunken“ vom Spiel, „Wat soll’n dit, schon vajessen? Wir steigen weder uff, noch ab, sondern wechseln höchstens gelegentlich die Spielklasse!“
Nun wird ja seit Jahren in unserer Familie darüber gemunkelt, dass man ja, jetzt oder in der jeweils nächsten Saison, mal wieder die Spielklasse wechseln können sollen müsste, und zwar ein weiteres Mal nach oben. Dieses Munkeln geht von der Präsidentenloge über die gesamte Haupttribüne, Waldseite, Gegengerade wie Kicherkurve, und ich hörte, sogar im Gästeblock wir gelegentlich genau darüber gesprochen, ob denn Union diese oder nächste Saison uffsteigt. Will ich also mal versuchen, so ehrlich und persönlich meine Gedanken dazu in die Schrift zu stellen. (Du merkst, liebe Leserin und lieber Leser: Ich labere, weil ich mich – ganz ehrlich – am liebsten drücken möchte vor diesem Thema) …
Das Thema aufstiegt führt mir nämlich die von mir seit ich denken kann gelebte Schizophrenie brutal vor Augen. Ich bin nämlich ein fauler Sack, der am liebsten in seiner Stube hockt und das tut, was er nach der sinnlichen Liebe am zweitliebsten tut: Schreiben. Ich ziehe nicht gern um, neige dazu, mich überall, wo ich bin, für alle Ewigkeit einnisten zu wollen. Ich wechselte früher nie aus eigenem Antrieb die Liebste, sondern wurde stets von den holden Damen rausgeschmissen, wenn die Zeit dafür reif war. Ich ziehe verdammt ungern mit Sack und Pack um, selbst das Rucksackpacken für einen Urlaub nervt mich gehörig.
Kurzum: Auch in der im Grunde ja völlig unkuscheligen 2. Liga hab ich mich sozusagen bestens eingenistet. Und wer weiß schon, was bei einem Aufstieg alles schlimmes passieren kann? Die Tickets werden teurer, die Eventys verdrängen noch stärker Eiserne Ureinwohner, und so manche Eiserne Amtsperson sagt dann plötzlich: „Ab jetzt sprechense mich gefälligst mit SIE an, Herr – wie war gleich Ihr völlig unwesentlicher Name?“
Soweit die eine Seite der eine Pol meiner persönlichen Persönlichkeits-Aufspaltung. Andererseits gehe ich niemals zu einem Unionspiel mit dem Gedanken: „Lasst uns heute mal nach hartem, von unserer Seite aus selbstverfreilich total fair geführtem Fight janz knapp verlieren.“ NEE, NIEMALS! Wie vermutlich nahezu jeder von uns will ich, DASS UNSERE MANNSCHAFT IN JEEEEEEEEEDEM SPIEL ALS SIEGER IHRE EHRENRUDE FÜR UNS DREHT!!! Ja verdammt, ich will, dass Union IMMER GEWINNT!
Und wenn das der Fall ist, steigen wir nicht nur auf, sondern werden erst Deutscher Meister, sondern holen ein Jahr später den ollen Schampusliga-Henkelpott sowie den Weltpokal (Gibt’s den eigentlich wirklich?)! Und nehmen wir humanoiden Erdbewohner irgendwann Kontakt zu anderen, ebenfalls dem Fußball frönenden Lebensformen auf, werden wir auch intergalaktischer Superchamp, oder wie das dann auch immer heißen mag.
Und dieses oben genannte Spiel gegen 1860 fühlte sich für mich nicht-gerade-Fußball-Fachmann geradewegs wie die in dieser Saison 3. Zwischenstation auf dem gerade von mir skizzierten Weg an. Abgesehen davon, dass wir am Ende leider nur gefühlt 6:0 gewannen, war das eine Union-Mannschaft, die sich geradezu die Unbesiegbaren hätten nennen können.
Ich finde es einfach nur steil, wie unsere Fußballgötter, die ich jetzt im Überschwang meiner Gefühle tatsächlich mal so nenne, in dieser Saison auftreten. In meinen Augen klare Siege gegen Spitzenteams unserer Liga aus Hannover und Braunschweig, gegen Dortmund und den VFB Stuttgart aus scheinbar aussichtsloser Lage zurück ins Spiel gekommen! Unbequeme Fighter wie Würzburg und Sandhausen auswärts knapp besiegt, gegen den KSC am Ende dann doch nicht zusammengebrochen …
Vor allem aber begeistert mich: Wann immer einer unserer Leistungsträger ausfiel, übernahm ein Anderer den Staffelstab und erkämpfte UND erspielte den so wichtigen Punkt, die so kostbaren Punkte! Das Spiel in Heidenheim lass ich hier mal untern Tisch fallen. Stellt es doch bislang die die Regel bestimmende Ausnahme dar … Dazu ein Trainer, der offensichtlich trotz seines Dialekts verdammt gut UNSERE Sprache spricht und aus der Mannschaft das rausholt, was in ihr steckt – und sie obendrein gar noch paar Schippen mehr drauflegen lässt. Dazu ein neuer Hauptsponsor, der nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch ein verdammt Fußballverrückter Typ ist, der den Kontakt zu uns Unionern sucht, weil er wissen will, wie wir ticken. Der aus meiner Sicht verdammt nochmal einer von uns ist und uns auf gar keinen Fall als notwendige aber lästige Fußtruppe sieht, die Fussi & Co konsumieren und ansonsten die Schnauze halten soll. Wer Harald Layenberger je live bei einem Unionspiel erlebt, weiß genau, wovon ich da schreibe.
Kurz und gut: Berauscht von dem im Stadion auf Platz und Rängen Erlebtem, schwebte ich nach dem Fight gegen die Sechzger hemmungslos auf Wolke 66. Ich schwebe weiter – bis wenige Minuten vor dem Anpfiff unseres nächsten Spiels. Würzburg wird uns schlagen, wenn unsere Spieler und wir auch nach dem Anpfiff einfach nur weiterschweben. Ab morgen 18.27 Uhr heißt es stattdessen: „Auf geht’s Union, kämpfen und siegen!“
Dann – und NUR DANN – werden wir morgen Abend feiern, und Iron Henning rockt nach Abpfiff aus den Stadionboxen: „Union wird wieder Fußballmeister – und wenn nicht: Scheibenkleister!“
Eisern Union

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