Es lebe der 1.FC Union!

Posted by & filed under .

Es lebe der 1. FC Union!

Text: Frank „Nussi“ Nussbücker
www.facebook.com/www.storyatella.de
Fotos: www.unveu.de

… und wieder mal beamte mich meine große Fußball-Liebe aus der normalen Welt, die sich mir gerade im Januar äußerst grau anfühlt … ich traf mich mit meinem Eisernen Freund Hannes in „unserem“ Späti. Hannes hatte sich rasiert, frisiert – genau so, wie man sich zurechtmacht, wenn man zu seiner großen Liebe geht – und ab ging‘s, raus in die Kälte …
… zum letzten Mal war ich hier, als an gleicher Stelle noch die „Werner-Seelenbinder-Halle“ stand, zum Konzert meines Idols Rio Reiser am 1. Und 2. Oktober 1988 – jetzt also Velodrom, drinnen die Geburtstagsfeier „meines“ Kultur… ähm, Fußballvereins … Hannes und ich verloren uns immer wieder, weil jeder seine Freunde & Kumpels begrüßte, drückte, herzte, wie man das eben so macht in einer Familie, deren Mitgliedschaft man beinahe frei gewählt hat …

03 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung151… und dann, irgendwann, saßen wir im Saal, Rang, recht weit rechts, auch hier Bekannte: drücken, Tach sagen, sprich: „Eisern. Wie jehts?“ Eisernes Liedgut umspült unsere Ohren, für meine Geschmack zu weichgespült, aber was solls? Bei Achim Mentzel üben wir schon mal unsere Stimmen … endlich, wie daheim AdAF unsere Hymne. Schal hochhalten, bis es zieht in den Armen, scheißegal, Union-Modus läuft, genau wie im Stadion. Nur, dass meine Gedanken sofort ausschwärmen: Mein 1. Union-Spiel Ende der Siebziger, die mitunter gefährlichen S-Bahn-Fahrten aus little-Oburg ins riesengroße Berlin … die Video-Leinwände zeigen die Tribüne der Ehrengäste, die Unioner im Parkett, auf den Rängen. Ein weißhaariger Mann mit dem Taschenriemen vor der Brust singt inbrünstig den gleichen Text wie ich, wie wir alle …
… da ich nicht zu den Organisatoren gehöre, verbringe ich den Abend wie in Trance, hin und hergerissen zwischen meinen Erinnerungen und dem Geschehen im Saal. Letzteres schießt von Emotion zu Tagespolitik, mal kurz zum trockenen versammlungs-Prozedere und knallhart zurück zum Gefühl, das sich immer wieder Bahn bricht zu einzelnen Zwischenrufen und gemeinsamen Gesängen. Logo, auch hier bei der festlichen…, ist schließlich Union!
Da wird dem Regierenden, als er sich wortstark für unser Nachwuchs-Leistungszentrum in die Brust wirft, ein „Na, dann mach watt dafür!“ zugerufen. Er braucht das „größte Berliner Fußballstadion“ nur kurz zu erwähnen, um uns „Alte Försterei!“ singen zu lassen.
„Anziehn, anziehn!“, fordert der Saal, als er unser Fest-Trikot überreicht bekommt. Er tut es, und der Präsi hakt nach: „Wenn Sie dann selbst mal zum Spiel kommen, dann wär’s komplett!“

01 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung106Als Dirk Zingler das Wort ergreift, muss er immer wieder innehalten, weil ihn Tränen bedrängen. Er dürfte tatsächlich jeden Quadratmeter AdAF kennen, in 40 Jahren vom kleenen Fan zum Chef vons Janze mit allem, was dazugehört, er erzählt von Falkensee-Finkenkrug, von Europapokal wie einer Eisernen Geburtstagsfeier in der Kälte eines Parkplatzes zusammen mit 100 weiteren Unionern.

02 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung128Plötzlich spricht er von einem Abschiedsspiel für Tusche, für Karim … von 6 Punkten, die uns vom verhassten Relegationsplatz nach unten trennen … von Union unter den besten 20 deutschen Profi-Vereinen. „Wir wollen Teil des Profifußballs BLEIBEN!“, ein Satz wie Donnerhall, der zugleich jede Menge Schmerz beinhaltet. Denn das große Geschäft wartet nicht auf Union, im Gegenteil!
Union muss Union bleiben, also getragen von Eiserner Haltung, Werten, Kultur – und gerade deshalb AUCH kommerziell erfolgreich sein!, fordert der Präsi. Kommerz UND Fußball-Romantik, unser Verein als Fußball-Marke UND Wird das gehen? Ist das unser Weg?
Mir spricht vor allem seine Forderung: „Wir müssen die hinter uns scharen, die ebenso ticken wie wir!“ aus dem Herzen. Union muss sich öffnen – und trotzdem Union bleiben. Für mich im wahrsten Sinne des Wortes: Gemeinschaft, Zusammenhalt, eine Familie, in der wir einander helfen, ist jemand von uns in Not – selbst und gerade dann, wenn wir womöglich bald alle in größter Not sind. Einer Not, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können!?
Ich sage: Was der Präsi da fordert, ist ein Wunder – unmöglich für „normale“ Menschen. Die vielleicht schon sehr nahe Zukunft wird zeigen, wie Eisern wir sind.
Weiter geht’s mit Aufsichtsrat Koch, Ehrenrat Vallentin, beide mit völlig unterschiedlichen zu beackernden Feldern – und für mich dennoch weitgehend wie aus einem Munde. Es liegt nicht an ihnen, dass ich immer „nur“ höre: Union bedeutet Solidarität, dass wir enger zusammenstehen, GERADE DANN, wenn‘s nicht hinhaut, Dich, mich oder uns alle das Leben in den Hintern tritt.
Ehrungen gibt es – die Geehrten kenne ich fast alle, genau wie all die neben, vor, hinter mir, Tränen in den Augen von gestandenen Männern und Frauen verschiedensten Alters, selbst der „graue Wolf“ muss ein paar davon wegdrücken, was ihm wohl nicht ganz glückte.
„Für mich seid ihr alle Ehren-Mitglieder“, ruft Gritti Lehmann in den Saal – gerade aus ihrem Munde kein Spruch.
Unserem Ehren-Präsi Günter Mielis höre ich zu, bis ich nicht mehr kann. Er ist 90, lebte und lebt Union, wird die nächste festliche Mitgliederversammlung wohl von da ganz oben verfolgen … als er nach gefühlten Stunden seiner persönlichen Eisernen Historie von Humanismus und Demokratie spricht, gehöre ich womöglich zu den ganz wenigen, die ihm noch folgen. Ich bin sicher: Viele von uns werden eines Tages froh sein, dass er gestern noch einmal für uns auf der Bühne saß.

04 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung195Das Finale, moderiert von dem womöglich einzigen Sky-Mann, der uns nachweislich mag, springt wild durch die 5 Jahrzehnte unserer jüngeren Geschichte. Heinz Werner neben Hans Meyer, Kapitän Seier neben dem „kleinen“ Eroll, dazwischen weitere lebende wie zukünftige Legenden, Heinz Werner ehrt unsere Pokalhelden von 1968, wir haben nur die eine Trophäe, dafür eine der schwersten der Fußball-Weltgeschichte, viel wichtiger aber: Wir haben einen Verein, der im Moment wohl so sehr der unsere ist wie vielleicht nie zuvor in jenen 50 Jahren. „Dirk Zingler ist EINER VON UNS“, beschwor uns der Ehren-Präsi. „Fußballgott!“, ehren wir jeden der noch 7 Spieler von 68!“

05 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung21206 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung21307 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung251
Jubel und Applaus, als zwischendrin im Video ein kleiner Junge Benny Köhler gedenkt, immer wieder grölen, singen wir – bleiben wir am Ball in all den Kämpfen, die uns allen noch bevorstehen, längst nicht nur auf dem Rasen, feiern, jubeln und weinen wir – und versuchen wir das scheinbar Unmögliche: Selbstbestimmung UND kommerzieller Erfolg, ohne den der Sieg auf dem Rasen auf Dauer nicht möglich ist. Aber bleiben wir bitte, bitte, bitte AUCH das: weiter füreinander da. Genau so, wie viele von uns am Ende gemeinsam mit KRISPIN sangen: WIR SIND UNION.

08 16_01_20_50_jahre_mitgliederversammlung254Hannes und ich beschlossen den Abend mit einigen Flaschbier in unserem Späti …

Eisern Union

 

Text: Frank „Nussi“ Nussbücker
www.facebook.com/www.storyatella.de
Fotos: www.unveu.de

2 Responses to “Es lebe der 1.FC Union!”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.