Weil plötzlich (fast) alles so unwichtig wird

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Ich persönlich habe nicht die große Ahnung vom Fußball – also von dem, was da unten auf dem Platz nun genau vor sich geht. Bestaune ich deshalb still und bescheiden, was unsere Fußballgötter auf dem Rasen der Leidenschaft so treiben? Nein, ich meckere wie alle anderen auch, und zwar gern laut und viel. Und ja, ich habe auch schon über Benjamin Köhler gemeckert. Und ich gebe zu, es gab sogar derart schlechtgelaunte Tage, an denen sah ich es fast gern, bot er meinem bescheidenen Fußball-Sachverstand einen Grund zum meckern.

Und dann kam dieser 4. Februar 2015 mit seiner Nachricht: Nach anhaltenden Bauchschmerzen … eingehende Untersuchung … bösartiger Tumor des Lymphsystems … unmittelbar beginnende Therapie.Wie die aussieht weiß jeder, der schon mal in irgend einer Weise mit Krebs zu tun hatte oder jemanden kennt, der … und sofort gab es für mich, genau wie für jeden Unioner, nur noch eins: Bedingungslose Solidarität mit unserem Familienmitglied! Unzählige Male tauchte Bennys Foto in den verschiedenen Internet-Portalen auf, dazu ein paar Worte der Anteilnahme an seinem Schicksal, Eiserne Kampfesgrüße für seinen nun anstehenden schweren Fight gegen die Krankheit.

Und längst nicht nur wir denken an ihn! Sofort meldeten sich via Post, Mail, Facebook, Twitter & Co Fans anderer Clubs, Spieler wie Herthas Fighter Änis Ben-Hatira oder unsere Torwart-Legende Jan Glinker, ja ganze Mannschaften vieler Vereine, in denen Benny einst spielte oder die einfach nur von seiner Erkrankung erfuhren, mit kämpferischen Genesungswünschen. Eintracht Frankfurt, FC St. Pauli, Hertha BSC, 1860 München, MSV Duisburg, Rot-Weiss Essen – und viele, viele andere ebenfalls. Nicht nur etliche Nationalspieler, sondern auch der DFB und selbst ein Herr Blatter wünschen ihm viel Kraft für seinen Kampf!

Vereinsfarben, Rivalitäten, Ligazugehörigkeiten, Funktionärs-Hierarchien – all das spielte plötzlich absolut keine Rolle mehr, da es für Benny gegen jenen mächtigen, lebensbedrohenden Feind geht, dem eines Tages jeder von uns gegenüberstehen kann. Ja, schade, dass wir Menschen oft erst am Abgrund zueinanderfinden – aber wunderbar, dass es überhaupt so ist. Dass wir in diesen Momenten zu aller erst Menschen sind, die einander beistehen, wenn einer von uns in Not geraten ist. Dass der Fußball in diesen Momenten zur absoluten Nebensache wird – und doch weit mehr als jene Klammer ist, die uns zusammen führt. Wir sehen uns auf dem Platz, heißt es in einem Post aus Hamburg. Einen Tag nach jener schrecklichen Nachricht verlängerte unser Verein seinen Vertrag mit Benjamin Köhler, der im Sommer ausgelaufen wäre, um ein Jahr. Ein klares Zeichen: Wir glauben an Dich, Du bist und bleibst einer von uns! Deine Familie und Du, Ihr habt in diesem wohl schwersten Kampf Deines Lebens unsere vollste Unterstützung – und dann kehrst Du auch wieder auf den Rasen der Leidenschaften, in die Mannschaft zurück!

Und ich? Ich als nun schon Fast-Berliner wünsche mir nichts mehr als dass ich eines Tages auch mal wieder über Benjamin Köhler meckern kann!

Frank Nussbücker

Foto:

www.unveu.de

 

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